„Gen Z ist nicht faul“ – Wie die Schülerfirma Nenotech das Raumklima revolutioniert
In der neuesten Folge des Vendi Podcasts treffen wir auf ein Phänomen, das viele Klischees über den Haufen wirft. Niklas Erz, gerade einmal 17 Jahre alt, ist Mitgründer der Schülerfirma Nenotech vom Gymnasium Norf. Während Gleichaltrige oft nur mit Social Media und Gaming assoziiert werden, ist Niklas Teil eines 14-köpfigen Teams, das sich der hochpräzisen Sensorik verschrieben hat. Wir sprechen über die Arroganz gegenüber jungen Gründern, warum städtische Sensoren oft versagen und wie man mit dem „Kaminprinzip“ die Produktivität in Büros und Schulen massiv steigern kann.
Quick-Facts zum Interview
Gast
Niklas Erz
Nenotech
Raumklima-Sensorik, KI-Datenanalyse & Energieeffizienz
Herkunft:
Dauer
ca. 72 Minuten
Inhaltsverzeichnis
Der Ursprung: Frustration als Innovationsmotor
Die Geschichte von Nenotech begann nicht in einer Garage im Silicon Valley, sondern in einem Klassenzimmer in Neuss während der Corona-Pandemie. Als die Stadt Sensoren an die Schulen lieferte, stellten Niklas und sein Team schnell fest: Die Geräte arbeiteten oft nur mit Schätzwerten. Wenn der städtische Sensor noch „Grün“ zeigte, war die Luftqualität laut Industriestandards längst im kritischen Bereich.
Anstatt sich mit dem Status quo abzufinden, nutzte das Team ein Begabtenförderungsprojekt ihrer Schule. Unter der rechtlichen Obhut der IW Junior Köln gründeten sie Nenotech. Ihr Ziel: Ein Produkt zu schaffen, das echtes Feedback liefert und die Basis für gesundes Arbeiten schafft.
Präzision statt Schätzwerte: Die Technik hinter dem Sensor
Der Nenotech-Sensor ist kein Spielzeug. Er basiert auf dem physikalischen „Kaminprinzip“. Da CO2 schwerer ist als Luft und sich eher in Bodennähe sammelt, wurde das Gerät für eine Montage auf etwa 1,20 Meter Höhe (Brusthöhe) optimiert. „Unten ist es mehr vergiftet als oben“, erklärt Niklas im Podcast.
Die Hardware ist eine Mischung aus modernster Fertigung und Eigenleistung: Die Gehäuse kommen aus schuleigenen 3D-Druckern, die Fronten werden per Lasercutter aus Plexiglas geschnitten. Das Herzstück – die Platine – wurde vom Team selbst entwickelt und wird nach ihren Vorgaben industriell gefertigt, um Fehlerquellen beim manuellen Löten auszuschließen. Gemessen werden CO2-Werte, Luftfeuchtigkeit und Temperatur, die über ein intuitives Ampelsystem direktes Feedback geben.
Mehr als nur eine Ampel: Datenanalyse und KI-Vision
Nenotech verkauft nicht nur Hardware, sondern eine Dienstleistung. Die Sensoren senden Daten in eine Cloud, wo sie analysiert werden. Hier kommt die Vision für 2026 ins Spiel: KI-gestützte Prognosen. Niklas erklärt, dass die KI zukünftig voraussagen soll, wann gelüftet werden muss, bevor die Konzentration kritisch wird.
Ein weiterer Faktor ist die Energieeffizienz. Studien (u. a. aus Harvard) belegen, dass die Produktivität bei hohen CO2-Werten dramatisch sinkt. Gleichzeitig neigen viele Menschen zum „Überlüften“, was in Zeiten hoher Energiekosten bares Geld kostet. Nenotech hilft Unternehmen, das perfekte Intervall zwischen Frischluftzufuhr und Wärmerhalt zu finden.
Strukturen wie bei den Großen: Ein 14-köpfiges Team
Was Nenotech von einem gewöhnlichen Schulprojekt unterscheidet, ist die interne Organisation. Das 14-köpfige Team ist professionell in Abteilungen wie Marketing, Networking und Vertrieb unterteilt. Es gibt einen Managementrat der Abteilungsleiter und darüber einen dreiköpfigen Vorstand. Niklas selbst sieht sich dabei als das „Gesicht nach außen“, der Typ für den Vertrieb und den Austausch mit Partnern, während andere sich voll auf die Elektrotechnik konzentrieren.
Die Hürden: Bürokratie und der Kampf um Anerkennung
Trotz des Erfolgs und Pilotphasen mit „Global Playern“ kämpft Niklas mit den typischen Hürden in Deutschland. Als minderjähriger Gründer braucht man die Zustimmung des Familiengerichts, was Monate dauern kann. Auch die EU-Richtlinien für Elektronikprodukte sind ein bürokratischer Dschungel. Dennoch blickt Niklas optimistisch in die Zukunft und schielt bereits auf Märkte in Skandinavien oder den USA, wo die Innovationsbereitschaft oft höher ist als in der Heimat.
Key Learnings aus dem Interview:
• Probleme als Chance: Wenn ein bestehendes Produkt (wie die Corona-Sensoren) schlecht ist, ist das die perfekte Marktlücke.
• Netzwerk schlägt Kaltakquise: Niklas setzt auf LinkedIn und persönliche Kontakte auf Messen statt auf anonyme Telefonate.
• Struktur bringt Skalierbarkeit: Auch als junges Team braucht man klare Verantwortlichkeiten (Vorstand, Abteilungsleiter), um ernst genommen zu werden.
• Human Capital: Das Ziel ist nicht nur der schnelle Euro, sondern der enorme Erfahrungsvorsprung gegenüber Mitbewerbern nach dem Studium.
Fazit & Ausblick
Nenotech zeigt eindrucksvoll, dass Unternehmertum keine Frage des Alters, sondern der Einstellung ist. Mit ihrer Kombination aus präziser Hardware und smarter Datenanalyse treffen sie den Nerv der Zeit – zwischen Homeoffice-Rückkehrern und Energiesparzwang.
Hast du in deinem Büro auch oft mit „dicker Luft“ zu kämpfen oder vertraust du auf smarte Sensoren? Schreib uns deine Meinung in die Kommentare unter dem Video!
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